04 Gesundheit

Baustelle Kantonsspital Winterthur
Foto: Alessandro Della Bella

«ambulant statt stationär»

Der medizinische Fortschritt ermöglicht immer mehr ambulante Behandlungen und Untersuchungen, sodass weniger stationäre Aufenthalte nötig werden. Einerseits entspricht diese Entwicklung einem verbreiteten Patientenbedürfnis, so schnell wie möglich wieder nach Hause zu können. Anderseits sind ambulante Behandlungen und Untersuchungen regelmässig gesamthaft kostengünstiger als stationäre. Deshalb hat der Kanton gemeinsam mit medizinischen Expertinnen und Experten eine Liste mit Untersuchungen und Behandlungen definiert, die grundsätzlich ambulant durchzuführen sind. Ob zwingende Gründe für eine stationäre Behandlung vorliegen, wird in jedem einzelnen Fall vom behandelnden Arzt entschieden. Der Kantonsrat hat im Berichtsjahr einer entsprechenden Änderung des Spitalplanungs- und -finanzierungsgesetzes zugestimmt.

Die Liste wird ab 1. Januar 2018 zur Anwendung gelangen. Sie ist koordiniert mit jener des Kantons Luzern und auf die geplante nationale Liste des Bundes abgestimmt. Die Kantone Wallis und Zug haben die Liste übernommen und weitere Kantone werden folgen.

Nach Schätzungen des Kantons werden damit bereits für 2018 knapp 4000 bisher stationär durchgeführte Eingriffe künftig ambulant erfolgen. Dies sollte Einsparungen in der Höhe von knapp 10 Millionen Franken ermöglichen.

Neuorganisation der Notfalldienste

Die Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ), der Verband der Gemeindepräsidenten des Kantons Zürich und die Gesundheitsdirektion haben seit Ende 2016 gemeinsam die Eckwerte für die Neuorganisation des Notfalldienstes festgelegt. Im Berichtsjahr wurden die notwendigen Vorbereitungsarbeiten für ein tragfähiges und tragbares Modell von allen Beteiligten mit grossem Einsatz vorangetrieben, sodass die Umsetzung ab dem 1. Januar 2018 möglich ist.

Kern des neuorganisierten Notfalldienstes ist die zentrale Triagestelle unter ärztlicher Leitung, die das ganze Kantonsgebiet abdeckt. Ihr sind auch die Organisationen der Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker angeschlossen. Die Triagestelle ist über die Gratis-Telefonnummer 0800 33 66 55 rund um die Uhr, sieben Tage die Woche erreichbar. Sie vermittelt die Anrufenden kompetent an die Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Apothekerinnen und Apotheker, die Notfalldienst leisten und von den jeweiligen Standesorganisationen koordiniert und organisiert werden. Sofern angezeigt, werden auch andere Leistungserbringer wie Spitäler, Spitex-Organisationen oder der Rettungsdienst beigezogen.

Mit der Führung der Triagestelle hat der Kanton die AGZ beauftragt. Die Betriebskosten übernehmen der Kanton und die Gemeinden. Die dafür nötige Anpassung des kantonalen Gesundheitsgesetzes hat der Kantonsrat im Dezember verabschiedet.

Einheitliches Modell für die vier kantonalen Spitäler

Seit Inkrafttreten der neuen Spitalfinanzierung 2012 gelten im Spitalbereich in der Schweiz neue Rahmenbedingungen. Mit einem einheitlichen Modell soll den vier kantonalen Spitälern deshalb die nötige Autonomie für eine langfristig erfolgreiche Tätigkeit verschafft werden.

Für das Kantonsspital Winterthur (KSW), bisher eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt des Kantons, sowie die Integrierte Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland (ipw), bisher eine Verwaltungseinheit des Kantons, war daher die Umwandlung in Aktiengesellschaften geplant. Nachdem sich die Stimmberechtigten des Kantons im Mai jedoch dagegen ausgesprochen hatten, musste für die beiden kantonalen Spitäler eine andere Lösung gesucht werden.

Hinsichtlich der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK) hat der Kantonsrat im September des Berichtsjahres entschieden, sie als öffentlich-rechtliche Anstalt mit Übertragung der Liegenschaften im Baurecht auf den 1. Januar 2018 zu verselbstständigen. Dies erfolgt in Übereinstimmung mit der Übertragung der Spitalimmobilien, wie sie der Kantonsrat beim Universitätsspital Zürich (USZ) mit Beschluss im Juni des Berichtsjahres vorgenommen hat.

An diese beiden Projekte knüpft der Regierungsrat nun an: Das KSW soll – wie das USZ – seine Immobilien in Zukunft selbstständig planen und bauen können. Und wie die PUK soll auch die ipw in eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt umgewandelt werden. Die entsprechenden Gesetzesvorlagen hat der Regierungsrat im September des Berichtsjahres zuhanden des Kantonsrates verabschiedet.

Mehr Qualität dank Mindestfallzahlen

2012 hat Zürich als erster Kanton der Schweiz für ausgewählte medizinische Eingriffe in Spitälern Mindestfallzahlen festgelegt – und damit Pionierarbeit geleistet. Vorgaben zu den Mindestfallzahlen dienen der Qualitätssicherung. Denn grundsätzlich gilt: Mit steigender Fallzahl steigt die Qualität der Behandlung und sinkt das Risiko, dass dabei Fehler passieren. Studien belegen darüber hinaus, dass sich die Behandlungsqualität durch zusätzliche Mindestfallzahlen pro Operateurin oder Operateur weiter verbessern lässt.

Bei rund 30 verschiedenen stationären Eingriffen gelten für die Spitäler seit 2012 moderat angesetzte Mindestfallzahlen. Die Erfahrungen aus den ersten Jahren zeigen, dass sich Mindestfallzahlen pro Spital positiv auf deren Qualität und Wirtschaftlichkeit ausgewirkt hat.

Auf den 1. Januar 2018 tritt eine Aktualisierung der Zürcher Spitallisten in Kraft. Darin werden die Mindestfallzahlen pro Spital auf fünf weitere Leistungsgruppen ausgedehnt. 2019 sollen zudem in sechs Leistungsgruppen neu auch Mindestfallzahlen pro Operateurin oder Operateur eingeführt werden. In erster Linie sollen damit «Gelegenheitsoperationen» ausgeschlossen werden. Gegen diese Beschlüsse des Regierungsrates wurden von mehreren Spitälern sowie von Operateurinnen und Operateuren Beschwerden ergriffen, die derzeit vor Bundesverwaltungsgericht hängig sind.

Weitere Legislaturziele

Einen vollständigen Überblick über den Stand der weiteren Legislaturziele des Regierungsrates in diesem Politikbereich entnehmen Sie dem PDF im Download-Bereich.