«Der wahre Reichtum des Kantons ist seine Vielfalt»

Regierungsrätin Jacqueline Fehr
Jacqueline Fehr, Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern.

Auf den Abschluss welches Vorhabens im Berichtsjahr sind Sie besonders stolz?
Stolz bin ich auf die Leitsätze zum Verhältnis Staat und Religionsgemeinschaft. Mit diesem Grundlagenpapier hält die Regierung fest, dass Religion keine Tabuzone ist. Der Regierungsrat macht seine Haltung zu diversen umstrittenen Fragen transparent und schafft so Orientierung. Die Leitsätze sind auch eine Einladung zur Debatte: Ich freue mich, dass ihr immer öfter auch gefolgt wird. Kurz: Die Leitsätze wurden von der interessierten Öffentlichkeit sehr gut aufgenommen.
Stolz bin ich auch auf das zweite kantonale Integrationsprogramm, kurz KIP 2, das der Regierungsrat bewilligt hat. Jahr für Jahr gelingt es uns im Kanton Zürich, die rund 35’000 aus dem Ausland zugezogenen Migrantinnen und Migranten erfolgreich in die Gesellschaft zu integrieren. Das ist vor allem auch dem grossen Engagement der Gemeinden zu verdanken. Der wahre Reichtum des Kantons ist seine Vielfalt. Menschen aus aller Welt leisten einen Beitrag zu unserem hohen Wohlstand. So wird das Polizei- und Justizzentrum beispielsweise vorwiegend von portugiesischen Bauarbeitern erstellt.

Was sind die wichtigsten Weichen für die kommenden Jahre, die Sie im Berichtsjahr gestellt haben?
Die zentralen Stichworte sind digitale Vernetzung, Gemeinden 2030, Neukonzeption Untersuchungshaft sowie solide Kulturfinanzierung. Meine Ämter machen in der Digitalisierung vorwärts: Der E-Umzug ist bereits Tatsache. Die kantonale Einwohnerplattform steht kurz vor dem technischen Abschluss, die digitale Langzeitarchivierung ist zusammen mit den Gemeinden gestartet, die Arbeiten am E-Voting schreiten voran und die medienbruchfreie Aktenführung in der Justiz rückt in Reichweite. Mit dem Projekt Gemeinden 2030 klären wir zusammen mit den Gemeinden, was wir heute in die Wege leiten müssen, damit wir auch 2030 und darüber hinaus funktionsfähige Kommunen haben, welche die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger in der gewünschten Qualität erfüllen können. Die Neukonzeption der Untersuchungshaft soll den dortigen Reformstau durchbrechen und den Weg zu einer zeitgemässen U-Haft ebnen. Und um auch künftig eine Kulturlandschaft mit Strahlkraft geniessen zu können, müssen wir in den nächsten Jahren die Kulturfinanzierung auf solide Beine stellen.

Welche Begegnung wird Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?
Das waren beispielsweise die politisch überaus interessierten Jugendlichen, die es geschafft haben, ein Zürcher Jugendparlament auf die Beine zu stellen. Sie machen Demokratie auch für diejenigen lebbar, die noch nicht abstimmen dürfen. Eindrücklich waren auch die Begegnungen anlässlich einer internationalen Konferenz im italienischen Cadenabbia. Während dreier Tage tauschten sich Fachleute ganz unterschiedlicher Herkunft über Strategien zur Verhinderung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus aus.