«Zutrauen, loslassen, experimentieren»

Regierungsrätin Jacqueline Fehr
Jacqueline Fehr, Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern.

Was war Ihr persönliches «Highlight» in der vergangenen Legislatur?
Für mich waren es ein Projekt und eine Begegnung.

Das Projekt: Mit der neuen Plattform «Gemeinden 2030» haben wir den Austausch zwischen Kanton und Gemeinden verstärkt und verbessert. Ausgangspunkt war die Frage, wie die Gemeinden aufgestellt sein müssen, damit sie auch 2030 ihre Aufgaben stark und eigenständig erfüllen können. Der Höhepunkt war das Gemeindeforum 2018: Über 300 Teilnehmende diskutierten und bestimmten vordringlich zu behandelnde Themen.

Die Begegnung: 2018 habe ich in kurzem Abstand unabhängig voneinander zwei Frauen mit Namen Sarah kennen gelernt. Beide haben in jungen Jahren dank Mut und Zielstrebigkeit erstaunliche Ziele erreicht. Eine hat in der Männerwelt Fussball gegen alle Widerstände ein Frauen-Förderteam ins Leben gerufen. Die andere führte als erste Kommandantin in einer Infanterie-Kompanie der Armee rund 300 Männer. Ich habe die Sarahs als «Musterbrecherinnen» meinem Führungsteam vorgestellt und dieses ermutigt, Sarahs in den eigenen Reihen zu entdecken und zu fördern.

Welche Geschäfte oder Vorhaben in den vergangenen vier Jahren haben für Ihre Direktion besondere Bedeutung?
1. Wir sind daran, die bisher als streng geltende Zürcher Praxis der Untersuchungshaft neu auszurichten. Ein Zwei-Stufen-Modell sieht für die Phase der Beweisaufnahme nach wie vor strikte Haftbedingungen vor: Sobald die Verdunkelungsgefahr nicht mehr besteht, wollen wir diese in einer zweiten Phase aber so rasch wie möglich lockern.

2. Die Religionslandschaft im Kanton Zürich ist heute vielfältiger denn je. Was bedeutet das für unsere Gemeinschaft? Wir stehen vor neuen Fragen zum Verhältnis zwischen Staat und Glaubensgemeinschaften. Mit erstmals formulierten Leitsätzen zu diesem Verhältnis legen wir die Basis für ein friedliches Miteinander.

3. Wir haben neue Führungsgrundsätze erarbeitet und setzen sie in der Direktion um. Sie lauten kurz: «zutrauen, loslassen, experimentieren». Im Zentrum steht das Potenzial der Mitarbeitenden. Dabei gehen wir davon aus, dass wir alle zur Arbeit kommen, um einen guten Job zu machen. Sie dabei zu unterstützen und zu ermutigen, ihre Spielräume für gute Lösungen zu nutzen, gehört genauso zur potenzialorientierten Führung wie eine bewusste Fehlerkultur.

Welche wichtigen Weichenstellungen für den Kanton Zürich hat der Regierungsrat in den vergangenen vier Jahren in Ihren Augen vorgenommen?
Mit der Strategie «Digitale Verwaltung» haben wir die Weichen in Richtung eines digitalen Kantons Zürich gestellt. Darin zeigen wir auf, wie die Verwaltung die digitale Entwicklung mitgestalten und die Chancen der Digitalisierung nutzen will.

Ein weiteres wichtiges Projekt ist das Hochschulgebiet Zürich Zentrum. Hier legen wir gegenwärtig die Grundlage für die bauliche und räumliche Weiterentwicklung der Universität, der ETH und des Universitätsspitals im Zentrum der Stadt. Das Schöne daran: Wir gewinnen nicht nur Raum, wir setzen auch städtebaulich spannende neue Akzente.

Das dritte grosse Projekt des Regierungsrates ist das Polizei- und Justizzentrum in Aussersihl-Hard: Wir führen dort ab 2021 über 30 bisherige Standorte der Strafverfolgung und des Justizvollzugs zusammen. Im schweizweit grössten Kompetenzzentrum zur Bekämpfung von Kriminalität werden erstmals verschiedene Berufsgruppen in unterschiedlichen Disziplinen über Direktionsgrenzen hinweg intensiv zusammenarbeiten. Der zeitgemässe Neubau wird rund 1800 Arbeitsplätze und 300 Vollzugsplätze umfassen.